Das Bundesamt für Energie veröffentlicht heute eine neue Studie zum Stromverbrauch und zu den Effizienzpotenzialen von Rechenzentren in der Schweiz.
Die Swiss Datacenter Association (SDCA) begrüsst die Ergebnisse als wichtige Grundlage für eine faktenbasierte Debatte. Sie belegen: Schweizer Rechenzentren wachsen trotz deutlich steigender digitaler Nachfrage mit Augenmass, weil professionelle Betreiber kontinuierlich in Effizienz investieren. Der Anteil der Rechenzentren am gesamtschweizerischen Stromverbrauch ist seit 2019 um lediglich 0,5 Prozentpunkte gestiegen und wird bis 2030 im wahrscheinlichsten Szenario auf 4,3 bis 5,6 Prozent ansteigen.
Kritische Infrastruktur für Wirtschaft, Staat und Gesellschaft
Rechenzentren sind die physische Grundlage der modernen Schweiz. Sie ermöglichen den Zahlungsverkehr der Banken, die Kommunikationsinfrastruktur der Unternehmen, die digitalen Dienste der Bundesverwaltung und der Kantone, die Patientendaten der Spitäler und die Plattformen, auf denen Millionen Menschen täglich arbeiten, kommunizieren und sich informieren. Ohne Rechenzentren stünde die Schweizer Wirtschaft und Verwaltung still. Ihr Stromverbrauch ist deshalb nicht isoliert zu betrachten, sondern im Verhältnis zu dem, was er ermöglicht: eine funktionierende, wettbewerbsfähige und digital souveräne Volkswirtschaft.
Moderates Wachstum trotz stark gestiegener digitaler Nachfrage
Gemäss Studie verbrauchten Schweizer Rechenzentren 2024 rund 2,1 TWh Strom, was 3,6 Prozent des nationalen Gesamtverbrauchs entspricht. Bei vergleichbarer Systemgrenze waren es 2019 noch 1,77 TWh beziehungsweise 3,1 Prozent. Das entspricht einem Anstieg von 18 Prozent über fünf Jahre, in denen Datenvolumen, Cloud-Nutzung und digitale Dienstleistungen deutlich zugenommen haben, ohne dass der Verbrauch proportional mitgewachsen wäre. Der tatsächliche Verbrauchsanstieg liegt damit klar unter den Erwartungen früherer Studien. Die Autoren halten fest, dass der Verbrauch ohne bereits realisierte Effizienzmassnahmen heute 20 bis 40 Prozent höher läge.
SDCA-Präsident Roger Süess: „Die BFE-Studie zeigt ein deutlich nüchterneres Bild, als viele Schlagzeilen vermuten lassen. Schweizer Rechenzentren stehen nicht für einen unkontrollierten Stromanstieg, sondern für professionelle, zunehmend effiziente digitale Infrastruktur. Wer die Zahlen im Verhältnis zum Gesamtstromverbrauch und zu den erzielten Effizienzgewinnen liest, erkennt: Der Standort Schweiz kann Digitalisierung und Energieeffizienz sehr wohl zusammenbringen.“
Verlagerung als Effizienzgewinn
Der Anstieg beim Verbrauch kommerzieller Rechenzentren erklärt sich massgeblich durch die Migration unternehmensinterner Server in Colocation- und Cloud-Umgebungen. Der Verbrauch vieler interner Rechenzentren stagniert oder sinkt gleichzeitig. Was in der Gesamtstatistik wie Wachstum erscheint, ist zu einem wesentlichen Teil Konsolidierung: IT wird nicht einfach mehr, sondern besser organisiert, in professionellen Infrastrukturen mit niedrigeren Energieverlusten, höherer Auslastung und systematischer Effizienzoptimierung.
Die Studie bestätigt, dass kommerzielle Rechenzentren zentrale Massnahmen wie Warm-/Kaltgang-Trennung, höhere Betriebstemperaturen und Free Cooling bereits in hohem Mass umsetzen. Die PUE-Werte liegen im Segment der professionellen Anbieter häufig unter 1,2. Bei unternehmensinternen Rechenzentren besteht hingegen noch deutlich mehr Verbesserungspotenzial, was die Verlagerung in professionelle Infrastrukturen energetisch zusätzlich begründet.
KI: kaum Effekt in der Schweiz
Auch beim vieldiskutierten Thema künstliche Intelligenz trägt die Studie zur Versachlichung bei. Sie hält fest, dass KI aus energetischer Sicht in der Schweiz derzeit eine untergeordnete Rolle spielt. Grosse Sprachmodelle werden hierzulande nicht trainiert. Die in den letzten Jahren gebauten Rechenzentren dienen primär Cloud-Anwendungen für den lokalen Markt. Die pauschale Gleichsetzung von Rechenzentrum-Wachstum mit KI-Boom trifft für die Schweiz nicht zu.
Wachstum bis 2030 sachlich einordnen
Bis 2030 erwartet die Studie im wahrscheinlichsten Szenario einen Anstieg des Verbrauchs auf 2,5 bis 3,2 TWh, was einem Anteil von 4,3 bis 5,6 Prozent des Schweizer Stromverbrauchs entspricht. Dieses Wachstum spiegelt die steigende digitale Nachfrage einer wachsenden Volkswirtschaft, verbunden mit weiteren Effizienzfortschritten. Das verbleibende Potenzial von rund 0,78 TWh liegt mehrheitlich im IT-Bereich und zeigt, dass Digitalisierung und Energieeffizienz kein Widerspruch sind.
Die SDCA setzt sich dafür ein, dass diese Zusammenhänge in der politischen und medialen Debatte Berücksichtigung finden. Die neue BFE-Studie liefert dafür eine wichtige, empirisch fundierte Grundlage.
Hier geht es zur Studie: https://www.admin.ch/de/newnsb/GV-%5Fd7OgIlqjfQDGZqbkN
